Archive for the ‘Forderungen’ Category

Statement vom 20. Oktober

Freitag, Dezember 4th, 2009

Forschung und Lehre, Wissenschaft und Kunst sind frei – so steht es zumindest in der Verfassung.

Durch die so genannte Vollrechtsfähigkeit der österreichischen Universitäten wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der diese Freiheit zunehmend einschränkt, bzw. zur Illusion verkommen lässt, diese vielmehr noch der politischen Willkür ausliefert. Es ist die Rede von globalen Bildungsmärkten, innerhalb derer sich Hochschulen als Serviceeinrichtungen profilieren sollen. Die Organisationsform der Universitäten orientiert sich am Vorbild von Konzernen. Demokratische Entscheidungsgremien wie der Universitätssenat werden entmachtet, der Rektor wird zum Entscheidungsträger, zum Manager, als Kontrollinstanz wird ihm ein Aufsichtsrat übergeordnet. Die Erfolgskriterien, an denen Bildungsinstitutionen nunmehr gemessen werden, sind wirtschaftliche Standortfaktoren; Humankapital soll produziert werden. Über die Auflage “Drittmittel” zu lukrieren, gewinnen Konzerne auch direkte Einflussnahme auf Lehrinhalte (Banken finanzieren Vorlesungen). Bei der Gestaltung von Studienplänen erlangt das ökonomische Potential eine zunehmend größere Rolle. Im Sinne einer kapitalistischen Marktwirtschaft werden unverwertbare Elemente eliminiert. Für selbstbestimmte Bildung als Teil der Persönlichkeitsentwicklung und Befähigung zur Gesellschaftskritik ist offensichtlich kein Platz. Das Argument des finanziellen Potentials eines Studiengangs greift aber auch noch viel weiter: Zum Beispiel erworbene Mastertitel, die verfallen, wenn nicht in bestimmten Abständen kostenaufwendige Fortbildungslehrgänge absolviert werden.

Zwischen Ministerium und Rektorat werden ‘Leistungsvereinbarungen’ getroffen, die vor allem darüber entscheiden, wie viel Budget der jeweiligen Universität vom Staat zur Verfügung gestellt wird. Wehrt sich eine Institution gegen ein erklärtes Anliegen des zuständigen Ministers, liegen die Konsequenzen auf der Hand. Diese Drohung ist omnipräsent geworden.

Am kommenden Donnerstag wird sich entscheiden, ob der Rektor der Akademie der bildenden Künste sich dem finanziellen Druck des Ministeriums beugen wird. Das erklärte Ziel von Herrn Minister Hahn ist es, bei der “Bologna-Jubiläumskonferenz 2010″ als derjenige aufzutreten, der die “Bolognaziele” in Österreich umgesetzt hat. Dazu gehört nach seiner Interpretation auch die flächendeckende Umstellung aller Studien auf eine zweigliedrige Studienplanarchitektur mit den Abschlüssen Bachelor und Master. Die positiven Effekte dieser Umstellung auf die Ausbildungsqualität, vor allem im Bereich der bildenden Kunst, sind schwer in Frage zu stellen. In Deutschland wurde diese Diskussion auf einer wesentlich breiteren, faktenorientierteren Basis geführt. Am Ende entschied sich ein Großteil der Kunsthochschulen gemeinsam dagegen und für die Beibehaltung eines Diplomstudiums. Die Ökonomisierung und Standardisierung von Bildung steht hier insbesondere im Widerspruch zu den vermittelnden Lehrinhalten. Das oft geäußerte Argument für die Vereinheitlichung der Studienpläne – Förderung von Internationalem Austausch – greift nicht, da Kunstakademien gerade in diesem Bereich statistisch, auch ohne Bachelor/Master-Umstellung, ganz vorne liegen.

Wir wehren uns einmal mehr, dass gegen den Willen der gesamten Akademie, die Implementierung einer Studienstruktur erzwungen werden soll, die das Studium der bildenden Kunst nachhaltig zum Schlechten verändern wird und über deren Sinnhaftigkeit jede sachliche Diskussion von unseren Erpressern verweigert wurde.

Stellungnahme IKL

Freitag, Dezember 4th, 2009

Stellungnahme des IKL für die Vollversammlung am 23.10.2009, 11:00h

Studierende und Lehrende am Institut für das künstliche Lehramt wurden am Abend des 22. Oktober 2009 damit konfrontiert, dass der Rektor der Akademie der bildenden Künste in der Leistungsvereinbarung die Umstellung der Lehramtsstudien auf das Bachelorsystem unterzeichnet hat.

* Eine solche “Umstellung” der Lehramtsstudien ist mit dem Institut für das künstlerische Lehramt weder koordiniert noch besprochen worden.

* Das Institut für das künstlerische Lehramt ist der Überzeugung, dass jegliche Debatte zu einer solchen Umstellung nur als Debatte aller österreichischen Lehramtsstudien geführt werden kann.

* 2008/ 2009 wurden neue Curricula für Diplomstudien im künstlerischen Lehramt eingeführt, die ein Modell für hohe Qualitäts- und Bildungsstandards in der LehrerInnenbildung sichern.

* Diese sind für uns die Alternative zu den bisher negativen Erfahrungen mit der Umstellung auf BA-Studium in Folge des Bologna-Prozesses.

* Die mit dem BA/ MA System einhergehende Hierarchisierung von Abschlüssen erzeugt langfristig neue Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt.

* Das Institut für künstlerisches Lehramt unternimmt folgende konkrete Schritte:

- Ein Termin mit dem Rektorat für Dienstag wurde urgiert, bisher keine Reaktion.

- Koordination mit den anderen Lehramtsstudien.

- Gespräche mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung sowie mit dem Vorsitzenden der ExpertenInnenkommission für Neugestaltung der LehrerInnenausbildung Mag. Dr. Peter Härtel.

- Forderung an den Universitätsrat sich an den Beschluss des Universitätssenats zu halten, die Leistungsvereinbarung nur dem Entwicklungsplan entsprechend zu unterzeichnen.

Institut für das künstlerische Lehramt
Wien, 23.10.2009

Stellungnahme IKA

Freitag, Dezember 4th, 2009

Stellungnahme der Studierenden des Instituts für Kunst und Architektur zur Aussage des Rektors Schmidt-Wulffen, veröffentlicht am 20. Okt. 2009 auf http://wien.orf.at


Als Teil der Akademie sind wir gleichermaßen Teil der Bewegung Malen-Nach-Zahlen. Anders als dargestellt exkludieren wir uns nicht, sondern erklären uns nochmals solidarisch und wollen per Erfahrungsbericht schildern welche Auswirkungen die Einführung des BA-MA Systems haben könnte.

Die Kompaktheit des Studiums lässt wenige Möglichkeiten sich auf vielen Ebenen weiterzubilden.

In der Übergangsphase zum neuen System gibt es ein mangelhaftes Bildungsangebot für Diplomstudierende:

  • bestehende Diplomstudienfächer werden durch nicht deckungsgleiche Vorlesungen bzw. Seminare des Ba/Ma ersetzt.
  • Masterstudios lassen keine Spezialisierung zu da pro Semester nur zwei verschiedene Themenbereiche angeboten werden.

Oftmals keine klare Betreuungssituation bei der Masterarbeit, dadurch keine konzentrierte Arbeit in eine Richtung

Durch die strengen Curricula gibt es kaum noch freie Wahlfächer, eine ernsthafte Vertiefung in einen externen Themenbereich ist deshalb nicht möglich.

Es gibt keine Möglichkeit im Bachelor ein Semester lang ein anderes Institut der Akademie zu besuchen ohne ein ganzes Jahr zu verlieren.

Die Reihenfolge und Aufteilung der Vorlesungen im Semester ist nicht frei wählbar.

Angerechnete Austauschsemester sind im Zuge des Bachelor-Studiums aufgrund des speziellen Curriculum kaum möglich.

Sollte ein Semester-Studio nicht erfolgreich abgeschlossen werden, ist es nicht möglich das Studio des darauffolgenden Semesters zu besuchen.

Durch den sehr verschulten Pflichtstundenplan ist es sehr schwer mit Kind oder einem Job zu studieren.

Solidaritätsbekundungen

Freitag, Dezember 4th, 2009

Gedicht von Saul Williams für die Besetzenden in Wien

we love santa cruz!

Solidarität aus Italien

Solidaritätsbekundung nach der Räumung der UCSC

Solidarität nach Santa Cruz

An die Besetzenden in Österreich

Solidarnost

Unterstützung von globalproject.info

solidarity! Santa Cruz

IG Bildende Kunst

Universität Heidelberg

YOUKI

free-education.org.ul

Statement gesamtgesellschaftliche Einbettung

Freitag, Dezember 4th, 2009

Streik bedeutet Arbeitsniederlegung.
Tatsächlich bedeutet der Streik einen enormen Arbeitsaufwand. Seit über einer Woche wird organisiert, koordiniert, kommuniziert, geschrieben, gefilmt, fotografiert, gekocht, Medienarbeit betrieben und vieles mehr.

Die Besetzungen der Universitäten dauern nun schon eine Woche an. Sie kommen nicht von ungefähr. Sie sind Teil und Ergebnis jahrelanger Arbeit von Studierenden, Lehrenden, Arbeitenden und vor allem von außerinstitutionellen und selbst organisierten Personen und Gruppen. Die Schülerinnen und Schüler erklären sich mit den Besetzer_innen solidarisch.

Diese machen nicht nur auf die Missstände an Universitäten, im gesamten Bildungsbereich, in der Gesellschaftsstruktur allgemein aufmerksam, sie analysieren diese, organisieren Widerstand, arbeiten Alternativen aus und leben diese.

Dafür erkämpfen sie sich innerhalb dieser Gesellschaft permanent den Raum und die Zeit.Ohne die Arbeit dieser unzähligen Personen wären die Proteste hier und heute nicht möglich.
Was hier passiert, ist mit der weltweiten Entwicklung sozialer Bewegungen verknüpft. Es wird nicht nur die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Studierenden, Lehrenden und weiterem Universitätspersonal gefordert, sondern die Verbesserung aller Arbeitsbedingungen überall.

Ausdrücklich gemeint sind auch die Arbeitsbedingungen derjenigen, die vertraglich nicht direkt der Universität zugehörig sind, sei es als Reinigungspersonal oder wissenschaftliches Personal. Die Protestierenden treten dafür ein, diese Arbeitsbedingungen sichtbar zu machen und damit all die unbezahlte und schlecht bezahlte Arbeit, die tagtäglich im Bildungsbereich, im Erziehungs- und Pflegebereich, im Haushalt und in vielen anderen Bereichen geleistet wird.
Die Gesellschaft profitiert von dem Wissen, das in unbezahlten, mit wenig symbolischem Kapital ausgestatteten Bereichen zur Anwendung kommt.

Damit einher geht die Vorstellung eines bestimmten Typs von Arbeitskräften – hochgradig belastbar, zielfixiert und in der Lage, klar definierte Aufgaben schnell auszuführen, ohne Zweifel, ohne die Arbeitsbedingungen in Frage zu stellen. Produziert werden soll Humankapital, produziert werden sollen Standortfaktoren für die Wirtschaft. Unterstrichen wird all das durch die unzähligen schlecht bezahlten oder unbezahlten Praktika, die zur Stunde geleistet werden.
Mit der Forderung nach einer Verbesserung dieser Arbeitssituationen sind nicht 5 Cent mehr pro Stunde, nicht 3 Euro mehr Kindergeld und auch nicht einfach nur mehr Geld für die Universitäten gemeint. Mit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen gemeint – es ist offensichtlich, dass die derzeitige gesellschaftliche Ordnung hauptsächlich Ausschlüsse produziert. Ausschlüsse von Minderheiten, seien es Migrant_innen, Personen mit speziellen Bedürfnissen, ältere Menschen, sozial Benachteiligte. Ausschlüsse, deren Auswirkungen vor allem auf Kosten von Frauen gehen. Diese Ausschlüsse werden befördert und umgesetzt über die scheindemokratischen, ökonomisierten, patriarchalen Entscheidungs- und Ausleseprozesse, die in dieser Gesellschaft herrschen. Dazu gehören auch die an den Universitäten angesiedelten Burschenschaften und anderen Männerbünde. Grundsätzlich jedoch die in Österreich hegemoniale patriarchale, sexistische, antisemitische, antiromaistische, rassistische, nationalistische, wertkonservative, repressive und scheindemokratische Politik.
Nachdem der Großteil der österreichischen Medienlandschaft zunächst in gewohnter Manier die Proteste verniedlicht bzw. skandalisiert hatte, macht sich jetzt Staunen darüber breit, wie stark, nachhaltig und gehaltvoll diese sind. Wir weisen die Vereinnahmung der Proteste durch den Rektor der Akademie der bildenden Künste entschieden zurück und erklären, dass diese sich nicht als Speerspitze marktkompatibler gesellschaftskritischer Kunst verstehen. Wir erkämpfen uns durch die Proteste einen Raum, der auch durch das historische und politische Wissen, das in der Universität angeeignet wurde, vorstellbar wird. Vor allem jedoch wird dieser Raum des Protests von jenen Erfahrungen getragen, die wir zwischen engen Studienplänen und schwierigen Arbeitsbedingungen machen und formulieren.

Das Bologna-Papier sieht die Regulierung von Kompatibilität, von Studienabschnitten und -abschlüssen vor. Von einer verpflichtenden Bachelorisierung ist nicht die Rede.
Die Bachelorisierung der Diplomstudien dient vielmehr der Neoliberalisierung von Bildung und führt langfristig zu neuen Formen sozialer Ungleichheit.