Positionen + Solidarität

Statement gesamtgesellschaftliche Einbettung

Streik bedeutet Arbeitsniederlegung.
Tatsächlich bedeutet der Streik einen enormen Arbeitsaufwand. Seit über einer Woche wird organisiert, koordiniert, kommuniziert, geschrieben, gefilmt, fotografiert, gekocht, Medienarbeit betrieben und vieles mehr.

Die Besetzungen der Universitäten dauern nun schon eine Woche an. Sie kommen nicht von ungefähr.  Sie sind Teil und Ergebnis jahrelanger Arbeit von Studierenden, Lehrenden, Arbeitenden und vor allem  von außerinstitutionellen und selbst organisierten Personen und Gruppen. Die Schülerinnen und Schüler  erklären sich mit den Besetzer_innen solidarisch.

Diese machen nicht nur auf die Missstände an Universitäten, im gesamten Bildungsbereich, in der Gesellschaftsstruktur allgemein aufmerksam, sie analysieren diese, organisieren Widerstand, arbeiten Alternativen aus und leben diese.

Dafür erkämpfen sie sich innerhalb dieser Gesellschaft permanent den Raum und die Zeit.Ohne die Arbeit dieser unzähligen Personen wären die Proteste hier und heute nicht möglich.
Was hier passiert, ist mit der weltweiten Entwicklung sozialer Bewegungen verknüpft.  Es wird nicht nur die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Studierenden, Lehrenden und weiterem Universitätspersonal gefordert, sondern die Verbesserung aller Arbeitsbedingungen überall.

Ausdrücklich gemeint sind auch die Arbeitsbedingungen derjenigen, die vertraglich nicht direkt der Universität zugehörig sind, sei es als Reinigungspersonal oder wissenschaftliches Personal. Die Protestierenden treten dafür ein, diese Arbeitsbedingungen sichtbar zu machen und damit all die unbezahlte und schlecht bezahlte Arbeit, die tagtäglich im Bildungsbereich, im Erziehungs- und Pflegebereich, im Haushalt und in vielen anderen Bereichen geleistet wird.
Die Gesellschaft profitiert von dem Wissen, das in unbezahlten, mit wenig symbolischem Kapital ausgestatteten Bereichen zur Anwendung kommt.

Damit einher geht die Vorstellung eines bestimmten Typs von Arbeitskräften – hochgradig belastbar,  zielfixiert und in der Lage, klar definierte Aufgaben schnell auszuführen, ohne Zweifel, ohne die Arbeitsbedingungen in Frage zu stellen. Produziert werden soll Humankapital, produziert werden sollen Standortfaktoren für die Wirtschaft. Unterstrichen wird all das durch die unzähligen schlecht bezahlten oder unbezahlten Praktika, die zur Stunde geleistet werden.
Mit der Forderung nach einer Verbesserung dieser Arbeitssituationen sind nicht 5 Cent mehr pro Stunde, nicht 3 Euro mehr Kindergeld und auch nicht einfach nur mehr Geld für die Universitäten gemeint. Mit der Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind grundsätzliche gesellschaftliche Veränderungen gemeint – es ist offensichtlich, dass die derzeitige gesellschaftliche Ordnung hauptsächlich Ausschlüsse produziert. Ausschlüsse von Minderheiten, seien es Migrant_innen, Personen mit speziellen Bedürfnissen, ältere Menschen, sozial Benachteiligte. Ausschlüsse, deren Auswirkungen vor allem auf Kosten von Frauen gehen. Diese Ausschlüsse werden befördert und umgesetzt über die scheindemokratischen, ökonomisierten, patriarchalen Entscheidungs- und Ausleseprozesse, die in dieser Gesellschaft herrschen. Dazu gehören auch die an den Universitäten angesiedelten Burschenschaften und anderen Männerbünde. Grundsätzlich jedoch die in Österreich hegemoniale patriarchale, sexistische, antisemitische, antiromaistische, rassistische, nationalistische, wertkonservative, repressive und scheindemokratische Politik.
Nachdem der Großteil der österreichischen Medienlandschaft zunächst in gewohnter Manier die Proteste verniedlicht bzw. skandalisiert hatte, macht sich jetzt Staunen darüber breit, wie stark, nachhaltig und gehaltvoll diese sind. Wir weisen die Vereinnahmung der Proteste durch den Rektor der Akademie der bildenden Künste entschieden zurück und erklären, dass diese sich nicht als Speerspitze marktkompatibler gesellschaftskritischer Kunst verstehen. Wir erkämpfen uns durch die Proteste einen Raum, der auch durch das historische und politische Wissen, das in der Universität angeeignet wurde, vorstellbar wird. Vor allem jedoch wird dieser Raum des Protests von jenen Erfahrungen getragen, die wir zwischen engen Studienplänen und schwierigen Arbeitsbedingungen machen und formulieren.

Das Bologna-Papier sieht die Regulierung von Kompatibilität, von Studienabschnitten und -abschlüssen vor. Von einer verpflichtenden Bachelorisierung ist nicht die Rede.
Die Bachelorisierung der Diplomstudien dient vielmehr der Neoliberalisierung von Bildung und führt langfristig zu neuen Formen sozialer Ungleichheit.

Statement-Gesamtgesellschaftliche Einbettung und Forderungen -Bulgarisch

Statement-Gesamtgesellschaftliche Einbettung und Forderungen – Kroatisch